Interview mit Roger Biedermann zum Relaunch von schweizertafel.ch
Vom Webauftritt zur Fundraising-Plattform: Roger Biedermann teilt seine Erfahrungen aus dem Website-Relaunch mit Soulclick bei der Schweizer Tafel.
Über den Case
Roger Biedermann übernahm Mitte 2024 die Leitung Fundraising & Kommunikation bei der Stiftung Schweizer Tafel. Zuvor war er mehrere Jahre für das digitale Fundraising bei der Glückskette und beim Schweizerischen Roten Kreuz verantwortlich.
2025 stand bei der Schweizer Tafel ein Web-Relaunch an. Die WordPress-Website war in die Jahre gekommen und ein grösseres CMS-Update wäre nötig gewesen. Statt punktueller Anpassungen entschied sich das Team, den Auftritt mit Soulclick zu realisieren.
Innert sechs Monaten wurde die neue Webseite mit der SaaS-Plattform von Soulclick realisiert und ging am 25. November 2025 live. Im Interview spricht Roger Biedermann über die strategischen Überlegungen hinter dem Relaunch, die Zusammenarbeit mit Soulclick und die konkreten Auswirkungen auf das Online Fundraising der Schweizer Tafel.
Interview mit Roger Biedermann
Du hast im Juli 2024 die Leitung Fundraising & Kommunikation bei der Schweizer Tafel übernommen. Was war dein erster Eindruck vom digitalen Auftritt und dem Fundraising?
Mein erster Eindruck war, dass auf der einen Seite sehr viel Substanz vorhanden war, zum Beispiel beeindruckende Zahlen, eine starke Wirkung sowie eine hochrelevante Mission. Aber digital war diese Wirkung zu wenig sichtbar und vor allem zu wenig nutzbar gemacht.
Die Website war technisch und strukturell in die Jahre gekommen. Spenden war möglich, aber nicht intuitiv, nicht emotional geführt und nicht konsequent auf Conversions optimiert. Zudem waren Website, CRM, Spendentool und Kampagnenlogik zu wenig miteinander verknüpft.
Kurz gesagt: Die Schweizer Tafel leistete und leistet weiterhin Grossartiges, aber digital war das nicht in derselben Klarheit und Konsequenz abgebildet.
Du bringst viel Erfahrung aus dem digitalen Fundraising bei grossen NPO mit. Dort sind die Hebel oft deutlich grösser: mehr Budget, mehr Inhouse-Ressourcen und ein breiter Spenderstamm. Wie gehst du das Thema bei der Schweizer Tafel an?
Genau diese Unterschiede sind zentral. Eine kleinere Organisation kann in den wenigsten Fällen einfach kopieren, was bei grösseren gut funktioniert. Aus meiner Sicht braucht es einen viel pragmatischeren Ansatz.
Für mich standen drei zentrale Fragen im Zentrum:
- Wo verlieren wir am meisten Potenzial?
- Wo haben wir, angesichts begrenzter Ressourcen, wirklich Hebel?
- Wie schaffen wir eine Systematik, die uns längerfristig entlastet, statt zu mehr Komplexität führt?
Für mich ist digitales Fundraising kein «Nice to have», sondern ein Effizienzthema. Gerade wenn Ressourcen knapp sind, braucht es klare Prozesse, Automatisierung und eine saubere Datenlogik. Wir müssen nicht lauter werden, sondern klarer, einfacher und konsequenter.
Ich finde, wir sind auf einem guten Weg, aber es ist auch klar, dass wir gemeinsam mit euch weiter hart arbeiten müssen, damit der eingeschlagene Weg sich mittel- bis langfristig richtig auszahlt.
Eure Webseite war in die Jahre gekommen, aber ihr hättet auch einfach ein WordPress-Update machen können. Warum habt ihr euch für einen grundlegend anderen Ansatz entschieden?
Ein Update hätte aus meiner Sicht die Grundproblematik nicht gelöst. Die alte Website war in erster Linie eine Informationsplattform. Wir wollten aber eine Fundraising-Plattform. Dies ist ein fundamentaler Unterschied.
Es ging daher nicht nur um Design oder Technik, sondern um eine strategische Neuausrichtung:
- Klare Nutzerführung
- Saubere Conversion-Strecken
- Mobile First Ansatz
- Saubere Integration ins CRM-System
- In Kampagnen denken, anstatt statisch zu publizieren
Wir wollten nicht einfach renovieren, sondern neu denken. Schlussendlich hat uns dies initial mehr gekostet, sowohl punkto Arbeitsaufwand wie auch aus finanzieller Sicht. Nun haben wir aber die Möglichkeit, das Potential der Schweizer Tafel digital auszuschöpfen – sprich wir haben gute Rahmenbedingungen geschaffen.
Mit Soulclick habt ihr Website, Spendentool und Kampagnenlogik in einer Lösung zusammengeführt. Was hat dich am Produktansatz überzeugt?
Mich hat insbesondere überzeugt, dass der Ansatz konsequent aus Fundraising-Perspektive gedacht ist und nicht aus einer Webdesign-Sicht.
Website, Spendenshop, Kampagnentool und Zahlungsabwicklung greifen ineinander. Das reduziert Schnittstellen, Fehlerquellen und interne Komplexität massiv.
Gerade für eine Organisation wie die Schweizer Tafel ist das aus meiner Sicht entscheidend. Wir haben kein Digitalteam. Wir brauchen somit eine Lösung, die robust funktioniert, die wir skalieren können und die im Alltag funktioniert.
Der integrierte Plattformansatz ermöglicht uns, Kampagnen schneller aufzusetzen, zu testen und auf Grundlage von Daten zu optimieren. Das verändert die Dynamik im Fundraising deutlich.
Bereits wenige Wochen nach dem Go-live konntet ihr die Online-Conversion deutlich steigern. Im Dezember 2025 lagen die Online-Spenden rund dreimal höher als im gleichen Monat des Vorjahres. Was sind die Gründe für diesen Sprung?
Wenn ich ehrlich bin, waren wir zunächst recht überrascht, dass es so gut lief mit den Online-Spenden, insbesondere weil die Neuindexierung der Seite nach dem Go-Live Ende November Zeit brauchte und weil wir noch nicht gross mit Bewerbungsmassnahmen gestartet sind. Zudem haben wir die Seite ganz bewusst nach dem Motto «Reduced to the Max» neu gemacht – insofern waren zum Beispiel zu jenem Zeitpunkt, und sind es nach wie vor, die Spendenprodukte im Shop noch nicht zu 100% durchdacht.
Von dem her war kein einzelner Faktor entscheidend, sondern das Zusammenspiel mehrerer Elemente, die zur positiven Performance beitrugen:
- Klarer Weg zum Spenden mit wenigen Klicks
- Emotionalere, aber gleichzeitig faktenbasierte Kommunikation über das ganze Jahr
- Mobile-Optimierung
- Bessere Platzierung der Spendenaufrufe
- Kampagnenlogik statt einem Spendenbutton
Ich möchte hier betonen, dass unsere Kommunikation über das ganze Jahr hinweg grossartige Arbeit geleistet hat. Am Ende des Tages müssen sämtliche Massnahmen in den Bereichen Marketing, Kommunikation und Fundraising ineinandergreifen. Schliesslich fühle ich mich in meinem Gefühl bestätigt, dass ich zum Start meiner Tätigkeit bei der Schweizer Tafel hatte: Cooler Case mit grossem Impact, der digital sichtbarer werden muss.
Wenn du auf das Projekt zurückblickst: Was waren die wichtigsten Learnings für dich persönlich? Und was würdest du anderen NPO raten, die vor einem Website-Relaunch stehen?
Mein wichtigstes Learning: Technologie ist nur dann wirksam, wenn die strategische Ausrichtung stimmt und der Wille zur Veränderung in der gesamten Organisation da ist.
Ein Relaunch ist kein Designprojekt, es ist ein Organisationsprojekt. Man sollte sich im Vorfeld ehrlich fragen:
- Was wollen wir wirklich erreichen?
- Wo stehen wir bezüglich des digitalen Reifegrades?
- Haben wir intern die Prozesse sauber definiert oder zumindest in den Köpfen?
Anderen Organisationen würde ich raten, sich nicht von einzelnen Features und Marketing beeindrucken zu lassen. Entscheidend ist, ob die Lösung zu eurer Organisation, euren Ressourcen und eurer Kultur passt. Jeder Case ist einzigartig.
Und: Mut zur Vereinfachung. Weniger Komplexität führt oft zu wirksameren Vorgehensweisen.
Zum Abschluss ein Blick nach vorne: Welche nächsten Schritte plant ihr und welche Rolle wird der Plattformansatz von Soulclick dabei spielen?
Es ist klar. Wir stehen erst am Anfang einer langen Reise. Die nächsten Schritte sind:
- Ausbau und Vermarktung von wiederkehrenden Spenden
- Online- und offline-Kampagnen aufeinander abstimmen
- Datenbasierte Optimierung der Donor-Journeys
- Bildwelt vereinheitlichen
Der Plattformansatz von Soulclick wird zentral bleiben. Er erlaubt uns, strategisch zu wachsen, ohne jedes Jahr neue Tools integrieren zu müssen. Dass die Entwicklung nicht immer linear ist oder wir nicht so rasch vorwärtskommen wie geplant, wissen wir. Hierfür versuchen wir möglichst flexibel und pragmatisch zu bleiben
Unser Ziel ist jedoch klar: Die digitale Infrastruktur soll kein zusätzlicher Aufwand sein – sondern ein Hebel, der uns hilft, mehr Lebensmittel zu retten und damit mehr armutsbetroffene Menschen in der Schweiz zu unterstützen.
Wir bedanken uns herzlich für das Interview und die positive Zusammenarbeit, lieber Roger. Wir wünschen dir und deinem Team weiterhin viel Erfolg beim Aufbau des Online Fundraisings.