Interview mit André Glauser: Aufbau des Online-Fundraisings beim allani Kinderhospiz Bern
André Glauser teilt seine Erfahrungen aus viereinhalb Jahren beim Aufbau des digitalen Fundraisings bei der Stiftung allani Kinderhospiz Bern.
Über den Case
Im Jahr 2021 entwickelte das allani Kinderhospiz Bern gemeinsam mit Marketing Monkeys einen ersten Spendenshop.
Was als einzelnes Fundraising-Projekt begann, wurde Schritt für Schritt zum Herzstück eines integrierten Webauftritts – und diente später als Vorbild für die Entwicklung von Soulclick.
André Glauser hat den Weg des allani Kinderhospizes in den letzten viereinhalb Jahren als Geschäftsführer entscheidend mitgeprägt. Per 1. November 2025 wechselte er in den Stiftungsrat. In diesem Interview teilt er seine Erfahrungen und persönlichen Eindrücke aus der Aufbauphase des digitalen Fundraisings.
Interview mit André Glauser
Ihr habt mir sehr knappen Ressourcen begonnen. Beschreib doch kurz eure Ausgangssituation und weshalb ihr überhaupt ins digitale Fundraising eingestiegen seid?
Ich startete am 1. Mai 2021 als allani-Geschäftsführer und habe den Fundraising-Bereich gemeinsam mit Evelyne Schumacher übernommen. Es gab bereits Spendeneinnahmen und eine grosse Solidarität in der Bevölkerung, aber uns war klar: Fundraising muss viel breiter abgestützt werden.
Schnell zeigte sich, dass wir das digitale Fundraising gezielt aufbauen müssen. Junge Zielgruppen erreichen wir heute kaum mehr über klassische Spendenmailings, sondern über eine schnelle, direkte Ansprache. Gleichzeitig bleibt das Analoge wichtig – es ist nach wie vor der stärkste Kanal.
Mit dem Entscheid, so stark aufs digitale Fundraising zu setzen, hast du eine Richtung eingeschlagen, mit der sich viele NPO auch heute noch schwertun. Warum hast du dich trotzdem dafür entschieden?
Als wir das Konzept 2021 dem Vorstand präsentierten, sind wir nicht nur auf offene Ohren gestossen. Es brauchte viel Überzeugungsarbeit und manchmal auch eine “Das-machen-wir-jetzt-einfach-Haltung".
Mir persönlich war immer klar: Ohne ein gutes digitales Fundraising haben wir nur ein halbes Fundraising. Wenn wir rein auf analoge Kanäle setzten, würden wir nur einen Teil unserer Zielgruppe erreichen.
Du sprichst von jungen Zielgruppen. Wen zählst du konkret dazu? Und wie spendest du selbst?
Meine drei Kinder sind zwischen 30 und 35 Jahre alt – die wollen nicht lange lesen. Spendenbriefe landen oft direkt im Altpapier. Diese Zielgruppe entscheidet rasch und möchte unkompliziert spenden. So erlebe ich es zumindest.
Ich selbst öffne die Couverts mit den Spendenbriefen und informiere mich gerne auf diesem Weg. Dennoch spricht mich vermehrt das Digitale an, wenn ich z.B. ein Plakat sehe und dann via QR-Code und Webseite tiefer eintauchen kann. Dort fällt dann rasch der Entscheid: Spenden oder eben nicht.
Wir sind mittlerweile über vier Jahre auf dieser gemeinsamen Reise. Was hast du in dieser Zeit für dich mitgenommen?
Durch die Zusammenarbeit habe ich viel über Online-Fundraising gelernt und darüber, wie wir es strategisch richtig verankern. Wir haben rasch erkannt, dass es nicht um einzelne Tools geht, sondern um das Zusammenspiel vieler Faktoren. Die enge Begleitung durch Thomas Roth und sein Team hat uns die Potenziale und Möglichkeiten klar aufgezeigt.
Mittlerweile hat sich der Digitalauftritt von allani stark verändert und ist grösser geworden. Gestartet seid ihr im Dezember 2021 mit einem Spendenshop. Kurz darauf wurde auch die Website auf dem Spendenshop-System gebaut. Beschreibe doch kurz das jetzige Setup und wie es dazu kam.
Vor gut fünf Jahren bestand unser Team aus Evelyne und mir. Wir hatten ein gutes Netzwerk und bauten darauf schrittweise unser heutiges Fundraising auf – mit euch, der Dunekamp GmbH und der Casalini Werbeagentur. Ihr seid für uns sehr wichtige Partner – dank dieser ausgezeichneten Partnerschaft können wir ein professionelles und zugleich sehr schlankes Fundraising betreiben.
Du hast dein Amt als Geschäftsführer an Christian Ziegler übergeben. Wie fühlt sich das an, das Fundraising zu übergeben?
Christian und ich «ticken» sehr ähnlich. Wir wissen, wie Hand in Hand die tägliche Arbeit im allani, die Entwicklung unserer Stiftung und das Fundraising gehen müssen. Ich habe den Bereich entsprechend gerne an ihn übergeben und bin sicher, dass das Fundraising erfolgreich weitergeführt wird.
Würdest du rückblickend etwas anders machen?
Im Fundraising würde ich nichts anders machen. Ich würde weiterhin sowohl auf analoge als auch auf digitale Kanäle setzen. Was wir künftig sicher weiter stärken wollen, sind unsere internen Kompetenzen in diesem Bereich. Qualifizierte Mitarbeitende im Bereich Online Fundraising sind jedoch schwer zu finden.
Unabhängig davon ist uns bewusst, dass wir weiter in das Thema investieren müssen, um am Ball zu bleiben. Heute geben wir ungefähr einen Franken aus, um sechs Franken im digitalen Fundraising reinzuholen – im Branchenvergleich ein sehr guter Wert.
Du hattest die Anfänge mit Thomas Roth erwähnt. Wie hat sich die Zusammenarbeit seither entwickelt?
Ich kenne Thomas aus meiner Zeit als Gründer eines Startups und wusste, dass er das Thema digitales Fundraising mit viel Drive vorantreibt. Er konnte dabei auch «pushy» sein. Rückblickend war das für uns sehr wertvoll, weil man intern häufig vorsichtiger und langsamer agiert.
Die Zusammenarbeit hat sich über die Jahre zu einer echten Partnerschaft entwickelt. Es besteht ein hohes gegenseitiges Verständnis und Vertrauen, und wir arbeiten gemeinsam daran, das digitale Fundraising kontinuierlich weiterzubringen.
Wir bedanken uns herzlich für das Interview und die positive Zusammenarbeit, lieber André. Für deine künftige Aufgabe als Stiftungsrat wünschen wir dir ebenso viel Freude, Kraft und Engagement wie in den vergangenen viereinhalb Jahren.